Schon 1948 reagierten Bleich-Ehrenberger-Gallowitsch auf den für Graz neuen
Typus des Hochhauses, indem sie einen auf die Eigenheiten der Topografie
abgestimmten Plan für die Festlegung von Hochhaus-freien Zonen entwarfen.1
Auch Karl Raimund Lorenz, Architekt des Elisabethhochhauses, war der Ansicht,
daß das Hochhaus keine Einzelerscheinung in Graz bleiben würde, dass es
zusammen mit anderen Gebäuden dem Stadtbild von Graz ein neues interessantes
Gepräge geben könnte und die Sicht vom Grazer Schloßberg dadurch durchaus
nicht unharmonisch sein müßte.
Die Frage "Hochhaus an dieser Stelle und mit dieser Höhe" war für Lorenz weniger
eine Frage des Heimatschutzes als vielmehr eine Frage der lebendigen Entwicklung
der Stadt Graz und ihres Zentrums.2
Die gesamte Bauideologie des sozialen Wohnbaus in Graz und darüber hinaus in
der Steiermark war von den Aktivitäten des Heimatschutzes dominiert. Er
verweigerte erfolgreich der seit dem Ersten Weltkrieg aufgeblühten, von Gropius
und Le Corbusier initiierten Neuen Sachlichkeit, dem Funktionalismus und
Internationalismus den Nährboden - jenen Bewegungen, die in Österreich und
Deutschland in die Bauhaus- und Werkbundbewegung eingegangen sind. [...]
Die [...] Heimatschutzbewegung schirmte die Bautätigkeit in der Steiermark vor der
"drohenden Amerikanisierung" erfolgreich ab. Daher vermochte weder die
Cottage-Bewegung für breite Bevölkerungskreise fruchtbar werden, noch konnte
sich die Neue Sachlichkeit durchsetzen.3
1_Hansjörg Luser, "Leitbilder der Stadtentwicklung in Graz", in: Ohne Erinnerung, Dokumente zur Architektur
N°4/95, HDA Graz,1995, S 58 ff.
2_Georg Plankensteiner, Univ.Prof.Arch.Dipl.-Ing. Karl Raimund Lorenz (1909-1996). Leben und Wirken einer
Architekten- und Lehrerpersönlichkeit, Diss., Graz 2001, S 152 ff.
3_Elisabeth Katschnig-Fasch, Möblierter Sinn, Städtische Wohn- und Lebensstile, Böhlau Verlag Wien 1998, S
214 ff.
