Für die Stadtplaner aber gibt dieses Unheil eine Gelegenheit, wie sie nie zuvor bestanden hatte: für die Stadt, die in ihren Teilen bis dahin wenig organisch und
mehr zufällig aneinander gewachsen war oder sich willkürlich hinausgereckt hatte, nun, da neu gestaltet werden muß, einen von städtebaulichen, aber auch von sozialen Gesichtspunkten bestimmten Rahmen für eine künftige Bevölkerung von 400.000 Seelen zu schaffen und die Gliederung des Ganzen wie die Gestaltung manches Einzelnen vorausblickend festzulegen.
Möge dieses künftige neue Graz - wenn auch die Verwirklichung der Pläne Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird - die Heimstätte eines friedlich arbeitenden tüchtigen und glücklichen Volkes sein!Dr. Eduard Speck, Bürgermeister der Landeshauptstadt Graz, in: Der Aufbau, Monatsschrift für den Wiederaufbau, Hrsg. Stadtbauamt der Stadt Wien, Juli 1948, S 2_____1948 Bleich-Ehrenberger-GallowitschAb 1948 beschäftigten sich Bleich-Ehrenberger-Gallowitsch mit der Planung von Groß-Graz, da alle Konzepte, die sich auf die 1938 erfolgte Ausdehnung des Stadtgebietes von den Inneren sechs Stadtbezirken auf sein heutiges Ausmaß bezogen, inzwischen als nationalsozialistisches Gedankengut wertlos geworden waren. Sie orientierten sich bei ihren städtebaulichen Überlegungen an den Prinzipien der "Moderne" der 30-er Jahre und an Le Corbusier's "offener Stadt". Die Stellung der Wohnbauten entlang der geplanten Gürtelstrasse zwischen Kalvarienbrücke und Grabenstrasse erinnert daran.
[...] Weit größere Vorausschau dokumentierten die beiden Architekten im Umgang mit dem für Graz neuen Typus des Hochhauses, indem sie einen auf die Eigenheiten der Topografie abgestimmten Plan für die Festlegung von hochhausfreien Zonen entwarfen."



