Am Montag, dem 17.05.2010 beschloss die Steiermärkische Landesregierung auf Antrag von Landesrat Dr. Christian Buchmann einstimmig, den Planungsexport steirischer ArchitektInnen im Jahr 2010 mit einer Summe von 150.000 Euro zu fördern.
Die Vorgeschichte zu diesem Entschluss stammt aus dem Jahr 2008, als Arch. DI Ernst Giselbrecht mit Landesrat Buchmann über die Ausweglosigkeit des Architekturexportes sprach. Die Politik anderer Nationen wie beispielsweise Holland oder Dänemark steht deutlich hinter deren Architektinnen und Architekten und fördert den Export durch gezielte Programme. Hohe Geldbeträge fließen in Publikationsförderungen, es werden Architekturausstellungen im Ausland organisiert und politisch getragen. In Österreich konnten Architekturschaffende bis vor Kurzem nicht einmal die Unterstützung von Außenhandelsdelegierten oder Kulturattaches beanspruchen, unterstehen diese doch den Wirtschaftskammern, während ArchitektInnen bekanntlich eine eigene Kammervertretung haben. Allein die bewusste Nutzung vorhandener Netzwerke und Ressourcen am Sektor des Dienstleistungsexportes kann eine enorme Chance darstellen.
Basierend auf diesen Missständen startete die „Creative Industries Styria“ unter Geschäftsführer Eberhard Schrempf im Jahr 2009 ein Branchenscreening, in dessen Rahmen 22 Grazer ArchitektInnen zu deren Erfahrungen am Sektor des Planungsexportes, zum dringenden Bedarf und den aus ihrer Sicht drastischsten Mängeln befragt wurden. Begleitet von Andreas Pfetsch, dem Betreiber der Architekturmarketing-Agentur „ap35“, fanden im Sommer mit den am Branchenscreening beteiligten ArchitektInnen noch drei „Think Tanks“ statt. Im Rahmen dieser Workshops wurde vertieft über die Möglichkeiten der Vernetzung steirischer Architekturbüros, die Sinnhaftigkeit der Bildung einer Marke „Steirische Architektur“ sowie über mögliche Fördermodelle diskutiert.
Aus den Ergebnissen von „Branchenscreening“ und „Think Tanks“ wurde Anfang 2010 von Andreas Pfetsch und Eberhard Schrempf ein aus fünf Modulen bestehendes Maßnahmenpaket geschnürt, welches schließlich Landesrat Buchmann vorgestellt wurde. Die Kosten dafür wurden für das Jahr 2010 mit 150.000 Euro angesetzt und nun durch die Landesregierung beschlossen.
Landesrat Buchmann sieht im Architekturexport vor allem eine Chance hinsichtlich der langfristigen Wertschöpfung. Die heurige Förderung sei nicht als einmaliges Projekt zu verstehen, sondern als Beginn eines kontinuierlichen Prozesses. Vor allem erhoffe man sich seitens der Wirtschaftspolitik einen nachhaltigen Dominoeffekt. Erhebungen anderer Nationen zeigen, dass Dienstleistungsumsätze im Ausland für die aktiven Exportländer das 10- bis 20-fache an produktbezogenen Exportleistungen zur Folge haben. Spezialisierte steirische Firmen aus der Bauindustrie, welche zum Teil bereits gegenwärtig eng mit den ansässigen Architekturbüros kooperieren, könnten in ihrem eigenen Export direkten Profit aus dem gesteigerten Planungsexport ziehen.
In der Praxis gliedert sich die Förderung für das Jahr 2010 in fünf Module. So soll nach Ermittlung von realistischen Zielregionen gezieltes Lobbying über die vorhandenen Strukturen und Kontakte der Wirtschaftspolitik betrieben werden. Die Präsenz steirischer Architektur in internationalen Blogs und auf Internetplattformen soll durch eine „Web-Force-Unit“ optimiert werden. Neben diesen zentral gesteuerten Projekten, welche der gesamten Branche zugutekommen werden, soll es auch individuelle Förderungen geben. So wird die Teilnahme an internationalen Architekturwettbewerben für zehn ausgewählte Projekte mit jeweils 4.000 Euro unterstützt. Es sollen Druckkosten für Architekturpublikationen und Reisekosten für Akquisitionsreisen gefördert werden. In Kooperation mit der TU und dem Ziviltechnikerforum soll die Qualifizierung durch Fortbildungen, z. B. in den Sektoren internationalen Vertragsrechts, Businessenglisch und Marketing verbessert werden.
Die Abwicklung dieser Maßnahmenpakete erfolgt durch die Creative Industries Styria (CIS) und die Steirische Wirtschaftsförderungs GmbH (SFG) in Kooperation mit dem Internationalisierungscenter Steiermark (ICS), der Zentralvereinigung der Architekten Steiermark (ZV-Steiermark), dem Haus der Architektur (HdA), der steirischen Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten sowie der TU Graz.
Zusätzlich zu der nun beschlossenen Förderung stehen für steirische ArchitektInnen bereits seit Herbst 2009 die Exportförderungen von SFG und ICS bereit. So nehmen heuer im Juni an der geförderten Reise einer Wirtschaftsdelegation der SFG zur Weltausstellung nach Shanghai bereits zu etwa 50 % Architektinnen und Architekten teil.
Die Chance, den Planungsexport steirischer ArchitektInnen zu verbessern, ist groß, und es ist sehr positiv zu bewerten, dass seitens der Politik eine klare Wertschätzung heimischer Architektur gezeigt wird. Die Nachhaltigkeit dieses Projektes ist allerdings nur gegeben, wenn greifbare Inhalte und Themen generiert werden, welche im internationalen Kontext Aufsehen erregen und die Qualität steirischer Architektur belegen. Dieser Prozess wird ohne den Kooperationswillen und den Einsatz der steirischen ArchitektInnen wiederum nicht machbar sein. Die Initialzündung ist erfolgt.
- Verfasser/in:
- Martin Brischnik, Bericht



