„12 288 000 fröhliche Bildkonstruktionen“ von Gustav Zankl

Die Galerie remixx zeigt mit Arbeiten von Gustav Zankl wie theoretische Untersuchungen als Kunst umgesetzt werden. Bis 21. Mai 2011.

17/05/2011

Die Galerie remixx zeigt mit Arbeiten von Gustav Zankl wie theoretische Untersuchungen als Kunst umgesetzt werden. Bis 21. Mai 2011.

In der Tat erscheinen Gustav Zankls Bilder, Objekte und Reliefs in der Galerie remixx schon allein aufgrund ihrer Vielfarbigkeit zunächst fröhlich verspielt. Das von Zankl selbst immer wieder genannte „Spiel“ allerdings könnte, gegenüber seinem Werk überlegt, durchaus in die Nähe der Spieltheorie nach John von Neumann führen, als „Entscheidungssituation mit mehreren Beteiligten, die sich mit ihren Entscheidungen gegenseitig beeinflussen“. Neben dem Künstler-Theoretiker und einem Publikum, wären „Beteiligte“ hier auch Bild-Elemente, Flächen, Farben, Konstellationen und Verhältnismäßigkeiten.

Was hier, in meinem Versuch einer Beschreibung, salopp und zu kurz zusammengefasst sein will, hat Gustav Zankl 1967 in einer Schrift mit dem Titel „Denkansätze zu meinen Gestaltungsprozessen – Thesen und Inhalte“(1) ausführlich und in logisch determinierter Form festgehalten. Unter anderem beschreibt er darin den „Gestaltungsvorgang“ als Synthese, folgend einer analytischen Phase und der „Gestaltung der Bildelemente nach dem definierten Programm“. Bildelemente können dabei, etwa durch Einschränkung auf Zeichen respektive geometrische Grundelemente, bestimmt werden. Der Bildaufbau kann infolge „begrenzt vorprogrammiert werden“ und Ordnungssysteme, wie z. B. die Fibonacci-Reihe, können für den Bildaufbau bestimmend sein.

Und wirklich erscheint in Zankls Arbeiten seit den 1960er Jahren immer wieder die nach Leonardo Fibonacci benannte Zahlenreihe (jedes Glied entspricht der Summe aus den zwei vorhergehenden Zahlen: 0, 1, 1, 2, 3, 5 usw.), auf die er bei Beobachtung von Wachstumsvorgängen an Kakteen gestoßen war. Mit der Fibonacci-Reihe lassen sich natürliche Entwicklungsvorgänge beschreiben, die Spirale und der Goldene Schnitt. Gustav Zankl verwendet unter anderem diese Reihe als strukturbildende Basis für Flächen- und Farbproportionen.

Wie Günther Holler-Schuster im Ausstellungskatalog ausführt, hat sich der 1929 in Hartberg geborene Künstler zu Mitte der 1960er Jahre vom damals aktuellen Informel gelöst, um sich „mit dem rationalen Zweig der Abstraktion“ auseinander zu setzen. Objektive, „nachvollziehbare Prozesse“ traten damit bei Zankl an die Stelle individueller künstlerischer „Gefühlsausbrüche“. Der Mitbegründer der Jungen Gruppe und des Forum Stadtpark, Künstler, Theoretiker, Pädagoge und Mitarbeiter der Lehrplankommissionen des Unterrichtsministeriums für „Bildnerische Erziehung“ und „Technische Werkerziehung“ hat sich damit einer Art Neuaufnahme des Konstruktivismus verschrieben, die man zurecht als „dynamischen“ begreifen kann; insofern nämlich, als zahlreiche seiner Arbeiten über das zugrundeliegende Programm hinaus von Rezipienten individuell arrangiert werden können. Physisches Eingreifen und wahrnehmende Mitarbeit führen dabei in Bereiche um Fragen der Autorschaft bzw. den Rückzug des Autors aus seinem programmbasierten Werk. Zugleich sind in den durchwegs schematisiert erscheinenden Arbeiten immer wieder „Störungen“ (farblich, proportional) eingebaut wie experimentelle Details, über die Zankl die Stabilität des strikten Systems zu befragen scheint. Metaphorisch führen Anordnungen solcher Art ins „wirkliche“ gesellschaftliche respektive politische Leben und zur Frage, wie viel Individualität welches System verträgt oder wo die systemische Anarchie beginnt. Allerdings hält Zankl in seinen Anmerkungen zum „Gebrauch“ seiner Bilder und Objekte fest, „Gesellschaftsrelevante Aspekte“ seien für seine Kunstobjekte „nur selten ein Anliegen. Die Auseinandersetzung mit Farbe und Raum (auch dem illusionären Raum) ist mir wichtig – und das mein Leben lang.“

„Dynamischer Konstruktivismus“ von Gustav Zankl bis zum 21. Mai in der Galerie remixx, Graz, Herrengasse 7, Stiege 1, 5. Stock (Altstadtpassage); Besichtigung nach telefonischer Vereinbarung T 0664/31 12 169.

Verfasser/in:
Wenzel Mracek, Empfehlung

Weiterführende Links

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„12 288 000 fröhliche Bildkonstruktionen“, Colour-Play-Objekt (Nr 0 / 5), 1055 x 325 x 120 mm, Spanplatte, Edelstahlblech poliert, Lindenholzwürfel, Acrylfarben, Stahlstäbe, Alu-Profilleisten, 2001
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„Heitere Kreisvarianten auf 52 Grundelementen“, 300 x 300 x 5 mm, Alu-Verbund, Glasfaser, Karton, Acrylfarben, Rotationselement „ZR“, 2010
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„Vertikale und horizontale Organisation von Farbquanten“, 1300 x 1200 mm, Jute, 1968
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„Farbstümpfe“, 800 x 700 mm, Grund: Bunt, verhält sich wie 1:2:4:8 zu 8:16:32, Öl auf Jute, 1970
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Ausstellungsansicht im Modell (Foto wm)

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